Kunst in Prenzlauer Berg

    

Kunst im öffentlichen Raum von Prenzlauer Berg

 

Obwohl der Prenzlauer Berg zu den sehr jungen Berliner Bezirken zählt, ist er seit Jahrzehnten ein Ort, um den sich die Vorstellung einer speziellen, nur hier zu findenden Lebensart rankt. Ein Bestandteil des »Mythos Prenzlauer Berg« ist ganz gewiß die Kunst, die zum besonderen Flair beiträgt. Man findet sie in jedem Park, an vielen Straßenecken, auch in kleinen Winkeln. Gegenwärtig haben mehr als 300 Künstler hier ihre Wohnungen, Ateliers und Werkstätten.

Die ältesten Kunstwerke des Bezirks stammen noch aus dem vergangenen Jahrhundert: das Denkmal für Alois Senefelder von Rudolf Pohle, 1892 eingeweiht im Beisein des Königs, der Christus des Künstlers Abele vor der Gethsemanekirche aus dem Jahre 1894, das Wandbrunnenrelief »Spinnerin« von Hermann Hidding, entstanden 1897, und einige Grabskulpturen auf den drei für ihre schönen Grabstätten bekannten Friedhöfen.

Besonders stolz ist man im Bezirk auf jene Werke, die ab Beginn des 20. Jahrhunderts in den Bezirk kamen. Sie stammen von so bedeutenden Künstlern wie Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Gustav Seitz, Werner Stötzer, Wieland Förster oder inzwischen ebenfalls international bekannten Vertretern aus deren Schülergeneration: zum Beispiel Rolf Biebl, Sabina Grzimek, Margret Middell und Emerita Pansowová.

Ernst Barlachs 1928 erstmals in Bronze gegossener »Geistkämpfer« steht als Original vor der Universitätskirche in Kiel. Der Berliner Guß an der Gethsemanekirche wurde 1989 in Auftrag gegeben und 1994 an der Gethsemanekirche aufgestellt. Die Kirche spielte während der Umbruchzeiten um 1989 eine zentrale Rolle. Sie war »so etwas wie ein Bollwerk der Opposition gegen den an sein Ende kommenden DDR-Staat (...), eine Stätte der Zuflucht und des Sammelns« (Lothar Lang). Barlachs allegorische Figur des wehrhaften Engels auf einer Löwenfigur erhält so eine zusätzliche, den konkreten Ort beschreibende Dimension.

Käthe Kollwitz’ Plastik »Mutter mit zwei Kindern« hatte 1950 bis 1997 ihren Standort direkt am Kollwitzplatz, wo die Künstlerin länger als 50 Jahre lebte und arbeitete. Heute kann man den großen Muschelkalkstein im Bezirksamt betrachten, wohin man die wertvolle Arbeit wegen der Neubebauung des Grundstückes übersiedelte.

Der Bildhauer Gustav Seitz, der sich nach dem II. Weltkrieg um die Aufstellung des Steins bemüht hatte, um der großen Künstlerin zu gedenken, erhielt 1956 selbst einen Auftrag für ein Ehrenmal auf der Mitte des 1947 nach ihr benannten Platzes. Seine bronzene »Käthe Kollwitz« entstand so 1956/58 im Auftrag des Magistrats von Berlin.

Von Werner Stötzer gibt es im Bezirk eine frühe Bronzeplastik von 1956, den »Sitzenden Jungen«. Wieland Försters Heinrich-Böll-Stele aus dem Jahre 1988 wurde 1996 vor der ebenso benannten Bibliothek in der Greifswalder Straße enthüllt, und im Bezirksamt, Eingang Fröbelstraße, hat seine Skulptur »Große Badende« von 1971 ihren Platz.

Das Flair von Prenzlauer Berg wird in besonderer Weise auch von seinen 13 größeren und kleineren Brunnen bestimmt. Die bekanntesten sind der »Fruchtbarkeitsbrunnen« auf dem Arnswalder Platz, den der Berliner Bildhauer Hugo Lederer 1927/34 in rotem Porphyr gestaltete; der Mosaikbrunnen aus Keramik- und Glasstein im Eingangsbereich des Pfefferbergs, Anfang des Jahrhunderts von einem unbekannten Künstler geschaffen; der »Knabe mit Fisch« von Fritz Nolde an der Greifswalder Straße und die 1999 im begrünten Hof des Einkaufscentes an der Landsberger Allee aufgestellte Wasserskulptur »Paar« von der Bildhauerin Astrid Mosch. Bei Anwohnern sehr beliebt sind auch die Tröpfelbrunnen »Zwei Bären« (Helmholtzplatz) und »Kinder unterm Regenschirm« (Danziger Straße Ecke Prenzlauer Allee), beide von Stefan Horota (1986/87 bzw. 1967/68).

Das Prunkstück an der Grenze des Bezirkes, jedoch schon zu Friedrichshain gehörend, ist der »Märchenbrunnen«. 1913 eingeweiht, ist er mit Skulpturen von Josef Rauch und Georg Wrba sowie von Ignatius Taschner ausgestattet, dessen bauplastische Arbeiten viele Hoffmann-Bauten im Bezirk zieren.

An historische Ereignisse des zu Ende gehenden Jahrhunderts gemahnen Erinnerungszeichen und Skulpturen ganz unterschiedlicher künstlerischer Qualität. Sie sind zum Teil Zeugnisse einer kritiklosen Umsetzung propagandistischer Forderungen an die Kunst früherer Zeiten, meist aber wurden sie von den Künstlern in wirklich berührender Ausdrucksstärke gestaltet. Für ersteres stehen die Porträtbüste für Anton Saefkow, die Hans Kies 1957/58 ausgehauen hat, sowie das Ernst-Thälmann-Denkmal von Lew J. Kerbel. Es wurde 1986 eingeweiht.

Sehr interessante Beispiele für die kritische Auseinandersetzung mit historischen Themen sind Gedenkstätten wie Karl Biedermanns Relieftafel »Widerstand« vor der Gethsemanekirche; der Gedenkstein für Karl Liebknecht von Otto Maercker; die abstrakte Stele »Für die Opfer des Widerstandes in Prenzlauer Berg« von Werner Richter oder die an die Ereignisse des Jahres 1848 erinnernde Bronzetafel an der »Einsamen Pappel«. Sie wurde 1986 angebracht.

Wegen ihrer künstlerischen Bedeutung empfiehlt es sich, das Denkmal »Für Heinrich Schliemann«, von der Bildhauerin Christa Sammler (1978/82/95) immer wieder umgestaltet, das von Anna Franziska Schwarzbach erst 1998 beendete Einstein-Denkmal »Albert & Einstein« und die ebenfalls von der Künstlerin stammende Plastik »Nackte vom Oststeeplatz« zu besuchen. Auch Michael Kleins Denkmal für Bettina und Achim von Arnim auf dem Arnimplatz hat eine interessante Geschichte und prägt die Atmosphäre des Platzes.

An die historische Situation und Kunstauffassung ihrer Entstehungszeit erinnern auch Arbeiten wie der »Fußballspieler« des Italieners Mario Moschi, das Relief »Aus der Geschichte des Bezirkes Prenzlauer Berg« von Birgit Horota (1971) oder Heinz Worners Relief-Zyklus »Zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung« (1980/81). Auch die Bronzen »Spielende Kinder«, von Fritz Ritter schon 1953 geschaffen, und »Mutter mit Kind« von Lore Plietzsch aus dem Jahr 1964 zählen zu diesen Arbeiten.

Schließlich erinnert Johannes Harbort mit seinen »Berliner Typen« in Bronze seit 1986 im Thälmannpark an einen Industriezweig, der zu Beginn des Jahrhunderts den Bezirk prägte - das Bierbraugewerbe und die Bierkutscher, die die Kneipen und Biergärten mit Bier belieferten und allgemein beliebt waren.

Für Kinder sind die Tierskulpturen in Parks und auf den Stadt- und Spielplätzen besonders interessant. In Prenzlauer Berg haben sich besonders der Künstler Stefan Horota, dessen Tierplastiken »Junger Fuchs«, »Wolf und Storch« sowie »Zwei Ziegen auf der Brücke« als Fabelwesen zum Denken anregen, und der Holzbildhauer Ralf Schade mit den zahlreichen Märchenfiguren auf Spielplätzen verdient gemacht. Ein besonderer Liebling der Bewohner des Wohngebietes Greifswalder Straße ist Johanna Juras Gruppe »Kind mit Katzen« aus dem Jahr 1977.