Natur in Prenzlauer Berg
Natur in Prenzlauer Berg - Grüne Wege
Vom Acker zum Baumpflanzprogramm
Grüne Wege haben in Prenzlauer Berg eine lange Tradition: Die Geschichte des Bezirks beginnt Mitte des 18. Jahrhunderts. 1749 waren ein Müller mit seiner Familie, sechs bei ihm angestellte Knechte und zwei Mägde noch die einzigen Bewohner jenes Gebietes vor den Toren Berlins, das damals von Ackerflächen, Gärtnereien, Baumschulen und Kleinwildgehegen geprägt wurde. Friedrich II. veranlaßte Mitte des Jahrhunderts auf dem Areal den Bau von Windmühlen und begründete damit den Namen »Windmühlenberg«, den das Gebiet von nun an trug. Noch bevor sich Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Ausflugslokale und Biergärten für Ausflügler aus dem dichtbesiedelten Berlin etablierten, besuchte man ihn zumindest auf der Durchreise ins Brandenburgische. Dorthin gelangte man per Kutsche auf drei baumgesäumten Alleen - der heutigen Prenzlauer bzw. Schönhauser Allee und der Greifswalder Straße.
Einhergehend mit der Industrialisierung der preußischen Hauptstadt gelangte Berlin an die Grenzen urbaner Strukturen. Auch der Prenzlauer Berg, zu jener Zeit noch Teil der »Nördlichen Feldmark«, wurde nun in die die alten Stadtgrenzen erweiternden Stadtplanungen als neues Quartier für Arbeiter und Angestellte einbezogen. James Hobrecht erhielt zu diesem Zweck 1859 den Auftrag, einen »Bebauungsplan der Umgebungen Berlins« zu erstellen. Der Stadtplaner bezog sich bei seinem Entwurf auf vorhandene Straßen, Acker- und Flurgrenzen und konzipierte großzügige Bebauungen, die der grünen Anhöhe und seiner Aussicht auf die Stadt Rechnung tragen konnten. Die Bäume wurden von Anfang an unter Schutz gestellt. Doch die Absichten der Stadtplaner fielen während der Gründerzeit Bodenspekulationen zum Opfer. Die ehemals großzügig grüne Vorstadt Berlins verwandelte sich in dichtbebaute Wohngebiete mit mehreren, eng hintereinander stehenden Hinterhäusern.
1920, zum Zeitpunkt, da der Prenzlauer Berg im Zuge einer Verwaltungsreform seinen Namen erhielt, wohnten dreimal mehr Menschen im Bezirk als heute. Erst mit der Gründung einer Gartenverwaltung im Jahre 1935 wandte man sich erneut der planmäßigen Ausgestaltung und Pflege der Grünanlagen im Bezirk zu und förderte die bis heute erhaltenen Stadt- und Schmuckplätze.
Nach dem II. Weltkrieg fielen zahlreiche Bäume den kalten Wintern zum Opfer, und einige Stadtplätze wurden von den Anwohnern parzelliert, um darauf Gemüse anzubauen. Nur langsam konnte sich der Bezirk davon erholen, und auch noch in den achtziger Jahren wurde der Baumbestand durch alte, defekte Gasleitungen, die zunehmende Verkehrsbelastung und neue Baumaßnahmen dezimiert. 1985 initiierte man für den Bezirk ein umfangreiches Baumpflanzungsprogramm, mit dessen Hilfe Straßen, Plätze und Hinterhöfe neu bepflanzt wurden. Seitdem kamen mehr als 20.000 Bäume in den Boden, und jedes Jahr kommen zirka 300 hinzu - darunter auch exotische Arten wie der Ginkgo-Baum oder die Japanische Zierkirsche.
Botanische Sehenswürdigkeiten
Auf den Wegen durch den Prenzlauer Berg werden Sie viele botanische Sehenswürdigkeiten bemerken können. Alte Kastanienalleen, verwilderte Friedhofsgärten, junge Gingko-Bäume, 100jährige Eichen, rot leuchtende Weinlaubfassaden und eine reich blühende Kräutervielfalt machen den Prenzlauer Berg zu einem grünen Bezirk mitten im Herzen der Großstadt Berlin. Die insgesamt 200 Hektar umfassenden Grünflächen des Bezirks werden durch fünf große Parkanlagen geprägt: den Volkspark Prenzlauer Berg und den Anton-Saefkow-Park, die beide auf einer Schuttkippe entstanden; den in den achtziger Jahren im Rahmen umfangreicher Wohnbebauungen angelegten Thälmann-Park; den Einstein-Park, der erst 1994 rund um einen kleinen Kinderspielplatz entstand; sowie den Mauerpark, eine weitläufige, auf dem ehemaligen Mauerstreifen angelegte Parkanlage.
Der Volkspark, an der Grenze zu den Bezirken Hohenschönhausen und Weißensee gelegen, ist dabei das größte geschlossene grüne Areal des Bezirks. Er umfaßt ein Gebiet von fast 29 Hektar und entstand auf einer Trümmerschuttkippe, die nach dem II. Weltkrieg auf ehemaligem Kleingartengelände angelegt wurde. 1969 erhielt der neu entstandene Park seinen Namen, heute ist er eine grüne Oase inmitten der Großstadt. Auf den Hängen, in den Tälern, Ebenen und Mulden findet der Besucher eine außerordentlich vielfältige Flora und Fauna vor. Allein mehr als 180 wild angesiedelte Kräuterarten wurden auf den Wiesen gezählt, berühmt ist der Park auch für seine artenreichen Wald- und Gehölzflächen, eine interessante Vogelwelt und das Vorkommen von Füchsen und anderen Wildtieren.
Der Mauerpark liegt an der Nahtstelle der Bezirke Prenzlauer Berg, Wedding und Mitte. Wo vor 1989 ein undurchdringlicher Grenzstreifen die Stadtteile voneinander trennte, liegt heute ein grünes verbindendes Band mit Spielplätzen, Wiesen und Baumhainen. Der Park, im Sinne einer »freien Landschaft« konzipiert, umfaßt mehr als sieben Hektar Fläche mit mehreren Spielplätzen, Grünanlagen und Blumenwiesen. Der direkt angrenzende Falkplatz ist ein nach James Hobrecht angelegter Stadtplatz. Beide Bereiche bieten zahlreiche botanische Besonderheiten. Dazu zählen sowohl die Japanischen Zierkirschen am Gleimtunnel als auch der artenreiche Altbaumbestand auf dem Falkplatz, zu dem Roßkastanien, Eschen, Pappeln und Birken, aber auch der in China beheimatete Blasenbaum und die Blutpflaume zählen.

Lebendige Stadtplätze
Stadtplätze sind ebenso bedeutsam für das grüne Gesicht von Prenzlauer Berg. Fast alle wurden von Hobrecht angelegt, der sie als grünen Erholungsort, sozialen Treffpunkt oder Markt- und Handelsplatz konzipierte. Selten finden sich in Prenzlauer Berg noch so gut erhaltene Beispiele jener Bebauungskonzeption wie auf dem Arnimplatz. 1903 wurde der Platz nach Achim von Arnim, dem Dichter der Romantik und Schöpfer von »Des Knaben Wunderhorn«, benannt. Die Grundstruktur des quadratisch angelegten Schmuckplatzes nahe der Schönhauser Allee wurde im Laufe seiner Geschichte verschiedenen Nutzungsanforderungen sich wandelnder Zeiten gerecht und genügt bis heute gleichzeitig hohen ästhetischen Ansprüchen. Obwohl er ursprünglich als Schmuckplatz mit einem eigens angestellten Platzwärter angelegt wurde, schuf man bereits 1910 Spielmöglichkeiten für die vielen im Gründerquartier lebenden Kinder.
In den zwanziger Jahren wurden die vorhandenen Möglichkeiten noch einmal erheblich erweitert. Zwischen 1995 und 1999 erfolgte die bereits in den siebziger Jahren begonnene Neugestaltung des Platzes nach historischem Vorbild. Nun kam auch das damals in Auftrag gegebene Denkmal für Bettina und Achim von Arnim (Michael Klein) zur Aufstellung, und die Spielplätze und Sportanlagen wurden den heutigen Anforderungen angepaßt.
Auch Helmholtz-, Humann-, Arnswalder, Teutoburger und Kollwitzplatz zeichnen sich durch hohe Bäume, grüne Rasenanlagen und Spielplätze aus. Jeder der Plätze ist reich an Geschichte. Der Helmholtzplatz zum Beispiel enstand Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Gelände einer Ziegelei, die das Baumaterial für die geplanten Mietskasernen liefern sollte. Doch die Ziegelei verfiel, als der Holländische Aktienbauverein bankrott ging, und das Ruinengelände wurde mit Erde aufgeschüttet, bepflanzt und mit Spielflächen versehen. Später legte man auf dem künstlichen Hügel einen symmetrisch gestalteten Schmuckplatz an, dessen Rasenflächen nicht betreten werden durften. Heute ist die von hohen Bäumen gesäumte Anlage inmitten der dichtstehenden Mietshäuser einer der beliebtesten Stadtplätze des Bezirks. Zu seinen Besonderheiten zählt neben dem unterirdischen, unter Bodendenkmalschutz stehenden Ringofen der einstigen Ziegelbrennerei und der 1928 gebauten ehemaligen Netzstation der BEWAG eine idyllische Pergola.
Nahe dem Helmholtzplatz, in der Pappelallee, befindet sich außerdem einer der traditionsreichsten Orte des Bezirks: der Friedhof der Freireligiösen Gemeinde, welcher heute als Park genutzt wird.
Den gründerzeitlich bebauten Arnswalder Platz kennen Berliner gewöhnlich als Ort des »Fruchtbarkeitsbrunnens«, der im Volksmund ob der monumentalen Brunnenfiguren einfach »Stierbrunnen« heißt. 1934, im Rahmen der Neugestaltung des gesamten Platzes, kam der Entwurf Hugo Lederers zur Ausführung. Der heute unter Denkmalschutz stehende Hobrechtsche Stadtplatz entstand zu Beginn unseres Jahrhunderts auf einer Sandwüste. Die über viele Generationen im Bezirk ansässige Brauereifamilie »Bötzow« unterhielt hier lange Zeit große Biergärten, und das gesamte »Bötzow-Viertel« ist ob der großzügig grünen Lage heute noch immer eines der beliebtesten Gebiete von Prenzlauer Berg. Sehenswert sind sowohl die stattlichen heimischen Altbäume und einige Exemplare des schwarzen und weißen Maulbeerbaumes als auch die grüne Freifläche der nebenan liegenden Werneuchener Wiese.
Nicht mehr zum Bezirk gehörend, aber immer einen Besuch wert ist der rückwärtig angrenzende Park »Friedrichshain«. Herz der großen und wunderbar grünen Anlage ist der weit bekannte und mit zahlreichen Skulpturen geschmückte »Märchenbrunnen«.
Die einzelnen Stadtplätze werden von baumgesäumten Verkehrsverbindungen und einem breiten Netz gestalteter Mittelpromenaden verbunden. Dazu zählen die Storkower, Metzer, Schivelbeiner und Wichertstraße, wo man trotz des hohen Verkehrsaufkommens grüne Wege mit schattenspendenden Bäumen und Blumenrabatten findet.
Traditionell weist der Prenzlauer Berg im Nordosten weit weniger Grünanlagen auf als im Südwesten. Durch Neupflanzungen sollen die Defizite langfristig beseitigt werden, doch findet man auch jetzt schon grüne und botanisch interessante Orte.
Der Ostseeplatz an der Grenze zu Weißensee zum Beispiel zählt mit seinen 100jährigen Platanen und einem Bestand schöner alter Roßkastanien zu den besuchenswerten Plätzen. Beeindruckende Altbaumbestände finden sich außerdem in der unmittelbar angrenzenden Georg-Blank-Straße, die ihren unverwechselbaren Charakter durch 60 Jahre alte Japanische Zierkirschen erhält. Alte Eichen prägen das Bild des Arnim- und des Falkplatzes. Die Kollwitzstraße wird von ca 100 Jahre alten Platanen gesäumt, besonders schöne und alte Roßkastanien finden Sie im ehemaligen Schweizer Garten am Friedrichshain.
Und was wäre der Prenzlauer Berg ohne seine Kleingärten? Der alten Tradition des 19. Jahrhunderts folgend, erfreuen sich Kleingartenanlagen immer noch besonderer Beliebtheit. Als Erholungsort inmitten der Großstadt stellen sie inzwischen wichtige Teile der »grünen Lunge« dar. Die größten und traditionsreichsten Anlagen von Prenzlauer Berg befinden sich im Gebiet um den Volkspark.
